Die Fahrkunst                                                                                                      HOME

Im Modellraum (Robert Maag) des Bergbaumuseums Schmelzboden  befindet sich gleich rechts beim Eingang ein Feldgestänge, das eine Fahrkunst antreibt. Die Fahrkunst wurde dank einer zufälligen Beobachtung von Oberbergmeister Dörell im Spiegelthaler Hoffnungsschacht bei Wildemann um 1833 erfunden.

Die Schächte im Oberharz hatten zu Beginn des 19. Jahrh. Teufen von 500 – 600 Metern erreicht. Diese Tatsache verlangte von den ein- und ausfahrenden Bergleuten stundenlanges Fahrtenklettern. Bei Arbeitsbeginn vor Ort um sechs Uhr bedeutete dies Einfahrt um vier Uhr. Nach zwölf Stunden Arbeit mussten die erschöpften Bergleute die beschwerliche und monotone Kletterei auf den Fahrten auch noch jeden Abend auf sich nehmen. Bergleute, die von den Leitern stürzten, verletzten sich schwer oder kamen ums Leben. Der unnötige Verschleiss an Arbeitskraft zwang die Verantwortlichen nach Abhilfe zu suchen. Die extrem langen Seile und Ketten waren für den Personentransport zu wenig sicher.

Dörell beobachtete einen Kunstknecht, der die Gestänge, welche die übereinander angeordneten Pumpensätze betrieben, als Aufstiegshilfe benützte. Schachtklammern dienten als Haltegriffe und Fussstützen. Zwischen den Gestängen befanden sich die Fahrten zum Unterhalt der Pumpenkunst. Der Kunstknecht wechselte vom einen Gestänge auf die Fahrt und von dort auf das andere. Dieser Wechsel ergibt bei der richtigen Wahl entweder eine Auf- oder Abwärtsbewegung.
Dörell rückte die Gestänge so nah zusammen, dass direkt von der einen auf die andere Seite gewechselt werden konnte. So war die Fahrkunst entstanden, mit deren Hilfe 200 Höhenmeter in 7 - 10 Minuten überwunden werden konnten.

 nach Budach (1999);  Dennert (1980) und Krassmann (2000)
          

Funktionsprinzip der Fahrkünste nach Liessmann (1992), Historischer Bergbau im Harz       HOME