Eduard Escher
Aus den Angaben Fr. v. Salis' und Schriften
aus
dem Landschafts Archiv Davos ergibt sich folgendes Bild der
jüngern
Geschichte des Silberberges: 1805 gründete Landammann J. Ulr. v.
Sprecher
von Jenins eine Gesellschaft von 128 Kuxen
(Anteilen)
zur Ausbeutung des Vorkommens, die "Davoser Gewerkschaft".
Am
12./24. März 1807 erwarben Bunds-Landammann Jakob v. Ott von
Grüsch,
Statthalter Joh. Hitz von Klosters und Simeon Büsch von Malans,
als
Bevollmächtigte der Gesellschaft, von der Landschaft Davos die
Konzession
zur Ausbeutung aller in der Landschaft vorkommenden Erze und
"Fossilien"
(L.A. Davos und K.B. Chur: B 2102). Die Gewerkschaft
rief in den Jahren 1807 bis 1811 Bergbau und Hüttenbetrieb ins
Leben
und begann 1811 mit der Ausbeutung
des
Vorkommens. Technischer Leiter des Bergbaues war Bergmeister Georg
Landthaler,
der seine Ausbildung in Freiberg in Sachsen genossen hatte und von
welchem
verschiedene Berichte und Pläne über das Bergwerk stammen.
Doch
von Anfang an litt die Gewerkschaft ständig an Geldmangel. Der Bau
der kostspieligen Einrichtungen für die Poche und die Schmelze im
Silberberg und Schmelzboden verschlang grössere Summen als
beabsichtigt
war. Zur Deckung der "fast schonungslosen Unkosten" mussten die
Aktionäre
fortwährend Zubussen
entrichten.
Eine erste Enttäuschung bestand darin, dass der Silbergehalt des
gewonnen
Bleis entgegen den Erwartungen so gering war, dass sich eine Ausbeute
auf Silber nicht lohnte. Ausserdem sanken die Bleipreise von 30 fl (Florin)
auf 25 und 20 fl. Die Erzausbrüche im Bergwerk wurden immer
schwächer,
so dass bei der 200 Mann erfordernden Belegschaft (Lohnkosten)
niemals an einen Gewinn gedacht werden konnte. Durch eine verbesserte
Zink-
Gewinnung gelang es, die Ausbeute zu heben, doch das Fallen der
Zinkpreise
hob diesen Vorteil bald auf. Die Gewerkschaft wurde nur gerettet, indem
Verwalter Hitz im März 1818 den gesamten Betrieb am Silberberg
für
4000 fl pachtweise für vier Jahre übernahm. 1822 wurde der
Vertrag
auf zehn Jahre erneuert und der Zins auf 5000 fl erhöht. Doch
schon
1823 waren alle bauwürdigen Erzmittel im Silberberg erschöpft
und man musste alle Hoffnungen, je wieder reichere Partien anzufahren,
auf den Durchschlag des Andreas
Stollens
setzen. In der Folge kam dieser Durchschlag zustande; ob dadurch die
Lage
des Unternehmens gebessert wurde, ist nicht bekannt.
Im Juli 1829 geriet Hitz in Konkurs, an seine Stelle
traten im Silberberg die Gewerken Albertini und Abys. Der Grubenbetrieb
wurde 1830 unterbrochen und die aufgearbeiteten Erze noch bis 1833
verhüttet.
Nachher lag der Betrieb still. 1836 verkauften die
Obgenannten
den Silberberg und den Bleiberg (Schmitten) an den "Bergwerksverein der
östlichen Schweiz" für 5000 fl.
Laut einem Kaufprotokoll des Grundbuchamtes Davos "verkaufte
am 1. März 1839 Josua Pollin (Bevollmächtigter
des Bergwerkvereins) das Zink-, Blei- Berg- und Hüttenwerk in
Schmelzboden,
Hoffnungsau,
Silberberg
in der Landschaft Davos mit Wohngebäuden, Waldungen, Wiesen, Poche
und Schmelze usw. an Xavier Dufreier, Ing., Paris, vertreten durch P.
Pelissier,
Metz für 42 000 fl ".
Am 14. Dezember 1839 verkaufte in Chur Dufreier,
vertreten
durch Pelissier, an Dr. med. Amédé Petigand "das Blei-
und Zinkbergwerk Silberberg, Hoffnungsau und Schmelzboden, ganz so wie
er es von Josua Pollin gekauft hatte für 61 000 fl Bündner
Valuta
".
In der kurzen Zeit, da Dufreier Besitzer war, hat kein Betrieb
stattgefunden.
In der Folge verband sich Pelissier mit Petigand zu einer Gesellschaft,
schliesslich war ersterer alleiniger Unternehmer. Nach Fr. v. Salis
wurde
in dieser letzten Bergbauperiode am Silberberg nicht rationell
gewirtschaftet.
1847 hörte die Zn-, 1848 die Pb- Gewinnung auf.
Literatur:
Escher Ed.: Erzlagerstätten und Bergbau
im
Schams, in Mittelbünden und im Engadin. Beitr. Geol. Schweiz,
Geotechn.
Serie 18. Lieferung, 1935
Salis F. v.: Beiträge zur Geschichte, des
bündnerischen
Bergbauwesens. Jahresbericht d. Naturf. Ges. Graubündens, N.F. VI.
Jahrg. 1859/1860.
von Arx, Rolf: Das Baumann-Lager am Silberberg Davos.
Bergknappe
64, 2/1993
Nach neueren Quellenanalysen
(von Arx, 1993) war Josua Pollin der Eigentümer und
der
'Bergwerksverein der östlichen Schweiz' nur Pächter des
Silberbergs
Florin (Florenz), Zecchino
(Venedig),
Gulden
(Silbergulden oder Guldengroschen) zu 60 Kreuzer. ( Der Goldgulden
entsprach
2 Gulden und 10 Kreuzern).
Anfangs 19. Jahrhundert war der Gulden etwa 2 Franken wert.
Ein Knappe verdiente 1820 1 Gulden pro
Tag, ein Mineur 1847, beim Bau des Schlossbergtunnels bei Baden
(für
die 'Spanisch Brötli Bahn') 2 - 3 Franken