Der
Gesteinslehrpfad
in der Zügenschlucht
auf einer Wanderung vom
Schmelzboden nach Wiesen- Station begegnen Sie entlang der alten
Fahrstrasse
den folgenden, beschrifteten Gesteinsbrocken
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1 Radiolarit
Dieses auffällig rote,
kieselige Gestein,
das an der Nordgrenze der Landschaft Davos, am Gotschnagrat, ansteht
(cotchen
rot), heisst so, weil es Skelettreste von Radiolarien enthält.
Radiolarien sind
mikroskopisch kleine Protozoen (Urtierchen), die ein kieseliges Skelett
mit
strahlig angeordneten Stacheln besitzen (Lateinisch
«radius» Strahl). Auf
Spaltflächen des Radiolarits sind oft dünne, schwarze
Beläge von Manganoxid zu
erkennen.
2 Serpentinit
Dieses dunkelgrüne bis
schwarze, früher
magmatische Gestein wird oft fälschlicherweise einfach
«Serpentin» genannt.
Fälschlicherweise deshalb, weil Serpentin der Name eines Minerals
ist und das
Gestein neben mehr oder weniger Serpentin noch eine ganze Reihe anderer
Mineralien, u.a. Augit, enthält. Der Name «Serpentin»
kommt von lateinisch
«serpens» Schlange und wurde dem Mineral wohl der Farbe
wegen gegeben. Der
Serpentinit wittert oberflächlich rostbraun an, was auf den
ziemlich hohen
Eisengehalt hinweist. Bei fortschreitender Verwitterung wird die
Oberfläche
sehr rauh, da die offenbar widerstandsfähigeren Augitkristalle
herauswittern.
In der Landschaft Davos gibt Serpentinit dem Gebiet der Totalp sein
Gepräge.
Natürlich besteht auch die Totalp-Bergsturzmasse am Wolfgangpass
aus
Serpentinit.
Dieses Gestein ist nach dem
französischen
Mineralogen Dolomieu (1750-1801) benannt, dem bei seinen Alpenreisen
Kalksteine
auffielen, die mit Säure behandelt nicht aufbrausten. Von blossem
Auge kann man
Dolomit und Kalk nicht unterscheiden. Mit verdünnter
Salzsäure braust Kalk
durch Freisetzung von Kohlendioxidgas auf, Dolomit nicht. Das
Dolomitengebirge
ist also nach dem Gestein benannt, aus dem es besteht, und nicht
umgekehrt.
Dolomit ist wie Kalk ein meist im Meer entstandenes karbonatisches
Ablagerungsgestein (Sediment). Es enthält neben Kalzium auch
Magnesium.
Reinster Dolomit ist schneeweiss. Durch Verunreinigungen wird er
gelblich oder
hell- bis dunkelgrau. In der Landschaft Davos überwiegen graue
Dolomite.
Markante Davoser Berge bestehen ganz oder teilweise aus Dolomit;
Weissfluh,
Schiahorn, Chüpfenflue, Mederger Flue, Altein, Mittagshorn,
Plattenflue und
Hochducan.
Speziell zu erwähnen ist hier der Trochitendolomit, der am
Silberberg die
Blei-Zink-Vererzung enthält. Auch an der alten Zügenstrasse
ist an
verschiedenen Stellen Dolomit aufgeschlossen.
Dieser in verschiedenen
Tönungen meist rote
Sandstein stammt aus der frühen Triaszeit. Er ist also vor etwa
200 Millionen
Jahren entstanden. Er ist in Mitteleuropa weit verbreitet, so etwa in
den
Vogesen, im Schwarzwald, im Odenwald und in der Pfalz. Buntsandstein
war und
ist dort ein geschätzter Baustein. Alte Schlösser, z.B. das
Schloss Heidelberg
und Kirchen, z.B. das Strassburger und das Basler Münster, sind
aus
Buntsandstein gebaut. In der Landschaft Davos steht Buntsandstein am
Chummerberg westlich von Frauenkirch an. Das Bett des Chummerbaches ist
voll
von schönen Buntsandstein-Rollstücken. Vom Rotschtobel
südlich von Glaris bis
unterhalb des Schmelzbodens besteht der Talgrund aus Buntsandstein.
Auch wo der
alte Knappenweg zum Silberberg im Tälchen des Monsteiner Baches
steil ansteigt
und an der alten Zügenstrasse unterhalb des Schmelzbodens ist
etwas
geschieferter Buntsandstein aufgeschlossen.
Dieses Gestein
besteht aus
einer sandsteinartigen Grundmasse, in welcher mehr oder weniger
gerundete, aber
auch völlig eckige Gesteinstrümmer eingebettet sind. Es ist
in einem
Wüstengebiet entstanden. Plötzliche starke Regengüsse,
wie sie in Wüsten
niedergehen können, bewirken Schlammströme, mit welchen
Gesteinstrümmer bis zu
einer beachtlichen Korngrösse über nicht allzu grosse
Strecken verfrachtet
werden. So werden grössere Trümmer kaum gerundet. Im
Ablagerungsgebiet bilden
sich Schuttfächer, und im Laufe geologischer Zeiträume
verfestigt sich der
Schutt zum Fanglomerat (englisch «fan» = Fächer,
lateinisch «glomerare» =
zusammenballen).
Das Fanglomerat der Landschaft Davos entstand im gleichen Zeitraum wie
der
Buntsandstein und kommt auch mit diesem zusammen vor.
6 Rhyolit (früher
Quarzporphyr)
Rhyolithe
(Griechisch «rheos» = Fluss und «lithos» =
Stein) sind
vulkanische Gesteine. In einer feinkörnigen Grundmasse (hier
graugrün) sind
relativ wenige grössere Kristalle eingebettet. In unserem Rhyolith
sind das
weisse Quarzkristalle. Der Davoser Rhyolith findet sich in der Umgebung
von
Glaris am Schafsgrind und Chummerhüreli, aber auch im Grunde des
Landwassertales.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass hier einmal ein Vulkan tätig war.
Unser Rhyolith
ist in der Permzeit, d.h. vor etwa 280 Millionen Jahren, entstanden und
zwar
viele Kilometer weit im Süden und wurde erst während der
Alpenbildung in der
Zeit von 90 bis 30 Millionen Jahren vor heute hierher verfrachtet.
Dieser graue, knollige, von
dunklen,
welligen Tonlagen durchzogene Kalkstein hat seinen Namen von den
Fossilien, die
er oft reichlich enthält. Brachiopoden ( Armfüssler) sind
Meerestiere mit einer
an Muscheln erinnernde, zweiklappigen Schale. Die beiden
Schalenhälften liegen
aber nicht links und rechts, sondern bauch- und rückenseitig. Der
Brachiopodenkalk ist in der Landschaft Davos nur an wenigen Stellen
aufgeschlossen, so etwa am Altein, an der Plattenflue, am Mittagshorn
und im
Gebiet der Erzgruben am Silberberg.
8 Augen-Flaser-Gneis
Gneise sind in mehr oder weniger
dicken
Platten spaltende Metamorphite ( Umwandlungsgesteine). Mit
«flaserig»
bezeichnet man ein wellig geschiefertes Gesteinsgefüge. Dieser
Gneis ist aus
einem Granit entstanden und besteht wie dieser aus den Mineralien
Feldspat,
Quarz und Glimmer, und zwar kann er sowohl hellen Glimmer ( Muskowit)
als auch
dunklen ( Biotit) enthalten. Grosse augenförmige Feldspatkristalle
sind in das
flaserige Gefüge eingebettet. Diese Gneisart ist in der Landschaft
Davos weit
verbreitet und zwar im Gebiet des oberen Sertig-, Dischma- und
Flüelatals,
sowie südlich und östlich von Monstein.
Augengneis ist ein sehr
auffälliger Gneis.
Das Grundgefüge ist feinkörniger als bei Nr.8 und nicht
flaserig. Zudem enthält
es viel dunklen Glimmer (Biotit), so dass die weissen Feldspataugen
deutlich
hervortreten. Dieser Augengneis steht bei Tschuggen an der
Flüelastrasse an.
Dieser Gneis enthält neben
Quarz und
Feldspat nur hellen Glimmer, d.h. Muskowit. Er bildet die Basis von
Brämabüel
und Jakobshorn und das Gebiet nördlich von Frauenkirch. Da wird er
in einem
Steinbruch gewonnen. Viele Natursteinmauern in Davos sind entweder ganz
oder
zusammen mit anderen Davoser Steinen aus diesem
widerstandsfähigen, dekorativen
Gneis gebaut.
Dieses Gestein hat seinen Namen
vom
dunkelgrünen bis schwarzen Mineral Hornblende (Amphibol =
Homblende), aus
dem es zum grossen Teil besteht. Die meist deutlich erkennbare
feinlagige
Schieferung zeigt, dass Amphibolit ein Metamorphit (
Umwandlungsgestein) ist.
Er ist unter grossem Druck und hoher Temperatur während einer
Gebirgsbildung
aus anderen Gesteinen entstanden. Das weisse Mineral im Amphibolit ist
Feldspat. Recht oft tritt anstelle des Feldspats das gelbgrüne
Mineral Epidot
auf. In der Landschaft Davos findet sich Amphibolit vor allem auf der
Ostseite
des Landwassertales. Die markanten Gipfel des Flüela-Schwarzhorns
und des
Rinerhorns bestehen daraus.